Einleitung
Zur Gestaltung der Schule ist die gleichwertige Beteiligung aller am Schulleben Beteiligten in allen schulischen Fragen erforderlich. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit aller am Erziehungs-, Lehr- und Lernprozess Beteiligten muss so früh wie möglich in Elternhaus und Kindertageseinrichtungen beginnen und kontinuierlich auch in der Schule fortgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist eine Offenheit, in der Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern handlungsorientierte Kompetenzen erwerben.
Schon in den Lerngruppen oder Klassen soll dies beginnen, so können zum Beispiel in einem Klassenrat Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer auf gleicher Augenhöhe zusammenarbeiten. Dazu gehören das Anhören und Wahrnehmen der unterschiedlichen Positionen, die gemeinsame Wahl der Lernformen, das Aussuchen der Inhalte und Vereinbaren der Lernziele gemäß der Rahmenrichtlinien für einen definierten Zeitraum. Eine weitere Methode zur Stärkung der gemeinsamen Arbeit ist gegenseitiges regelmäßiges Feedback, das im Rahmen einer Kooperationskultur auf Freiwilligkeit beruht. Eine konsequent umgesetzte Feedback-Kultur kann zum Vertrauensaufbau der an Schule Beteiligten beitragen. Eine umfassende Evaluation stärkt den ganzheitlichen Ansatz und das gemeinsame Bewusstsein sowie die Verantwortung für die eigene Schule. Sie dient als Grundlage zur Weiterentwicklung des Schulprofils.
Die beteiligten Gruppen benötigen adäquate Rahmenbedingungen. Die Aktiven brauchen umfangreiche Schulungen, Informationen und Aufklärung. Dafür müssen ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Insbesondere Schülerinnen und Schüler brauchen innerhalb der Schule und Unterrichtszeit Freiräume, um sich gegenseitig zu informieren, zu bilden und sich zu engagieren.
Auch der Unterricht muss sich verändern. Das Lernen in Projekten ist ein Beispiel, Schülerinteressen aufzunehmen und Unterricht zu demokratisieren. Projektunterricht kann fächer-, klassen- und schulübergreifend sein und erfordert flexible Unterrichtszeiten. Außerdem bietet er die Gelegenheit, Vielfalt als Stärke zu erleben.
Neben den Lehrkräften sollen auch andere Professionen und Eltern einbezogen werden. Die Durchführenden brauchen das Angebot entsprechender Fort- und Weiterbildung; sie müssen Grundkompetenzen zur Gestaltung solcher Projekte erwerben. Die zur Umsetzung der Projekte notwendigen Ressourcen müssen zur Verfügung gestellt werden.
Unter diesen Voraussetzungen bietet Projektunterricht viele Möglichkeiten zur positiven Darstellungen der Arbeit von Schülerinnen, Schülern und Schule in den Medien. Gleichzeitig kann Projektarbeit für alle Beteiligten ein Forum schaffen, um sich an anderen Orten und auf anderen Ebenen zu vernetzen.
Unterricht muss auch so verändert werden,
dass Stärken und Schwächen ausfindig gemacht werden können. Durch konkrete und
ständig zu überprüfende Zielvereinbarungen können sich alle Beteiligten
weiterentwickeln. Die individuelle Sicht auf den Einzelnen ermöglicht die
Integration aller Schülerinnen und Schüler in die Lerngemeinschaft sowie deren
individuelle Förderung und Herausforderung. Eine klare Trennung von Lern- und
Bewertungssituationen ermöglicht es, Fehler zuzulassen, damit Schülerinnen und
Schüler sich angstfrei entwickeln können.
Aus Fehlern kann gelernt werden. Leistungsbewertung muss eine umfassende, nachvollziehbare regelmäßige Rückmeldung über den Lernstand mit Stärken und Schwächen sein. Die Rolle der am Lernprozess Beteiligten muss sich verändern: Die Lehrkraft wird zum Moderator, Lernbegleiter, Motivatorenund Mitlernende; der Lernende übernimmt die Hauptrolle. Er muss erkennen können: „Es geht um Dich! Wir wollen, dass Du Dein Ziel erreichst! Du bist wichtig!“ Auf diese Anforderungen müssen Lehrerinnen und Lehrer durch Aus-, Fort- und Weiterbildung vorbereitet werden; sie sollen gemeinsam mit den Eltern Vorbild lebenslangen Lernens sein.
Eine angstfreie Schule für Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer kann nur gemeinsam gestaltet werden:
Bildung ist nicht nur Aufgabe der Schule, sondern der Gesellschaft.
Dabei müssen gleiche Chancen für alle Schüler unabhängig von Status und Herkunft der Eltern geschaffen werden.
Die Schule in der Demokratie braucht Freiheit, um in der Schule Demokratie zu lernen; das braucht Verantwortlichkeit der Schule und verbindliche bundeseinheitliche Mindeststandards, die von den an Schule Beteiligten erarbeitet und von Schulen eigenverantwortlich umgesetzt werden.
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