Die Bundesschülerkonferenz (BSK) begrüßt den Beschluss der KMK zum bundesweiten Einsatz der Inklusion als pädagogisches Konzept, sofern darunter zu verstehen ist, dass Kinder und Jugendliche, die unterschiedliche Bedürfnisse haben, eine Schülergesamtheit darstellen.
Viele dieser unterschiedlichen Bedürfnisse werden von der Mehrheit geteilt und bilden die gemeinsamen Erziehungs- und Bildungsbedürfnisse. Alle Schüler haben darüber hinaus individuelle Bedürfnisse, darunter auch solche, für deren Befriedigung die Bereitstellung spezieller Mittel und Methoden sinnvoll sein kann.
Allerdings sieht die BSK folgende
Notwendigkeiten, um eine erfolgreiche
Umsetzung zu ermöglichen: Besonders wichtig ist uns, dass alle an Schule
beteiligten in die Entscheidungen eingebunden sind. Dabei muss Schülern, Eltern
und Lehrern eine Möglichkeit geschaffen werden, sich aktiv zu beteiligen und gegebenenfalls
vorhandene Vorbehalte auszuräumen und eigene Ideen einzubringen.
Im Konzept „Schüler helfen Schülern“ sollen leistungsstarke Schüler leistungsschwächere Schüler durch gemeinsames Lernen unterstützen, um eigene Lernmethoden zu entwickeln und zu verfeinern. Verstärktes Arbeiten in Kleingruppen, sowie die Förderung selbständigen Lernens sollen zur Entwicklung und Förderung von Methoden- und Schlüsselkompetenz führen. Dabei soll das Vorgenannte als ein von Lehrern, Schulpädagogen, Schulpsychologen wie Sozialarbeitern begleiteter Lernprozess verstanden werden. Dies impliziert ein angemessenes zahlenmäßiges Verhältnis von Fachkräften und Schülern, dabei ist zu bedenken, dass man sich vom traditionellen Konzept des Frontalunterrichts verabschieden muss. Dies bedeutet, dass selbst bei der für Inklusion notwendige niedrigere Klassenstärke die Dichte der Fachkräfte signifikant erhöht werden muss. Jedoch darf Schule nicht nur als Lernstätte verstanden werden, sondern muss Lebensraum und Begegnungsstätte unterschiedlichster Schüler sein.
Auch die flächendeckende
Ganztagsbetreuung in den Schulen muss konsequent umgesetzt und ausgebaut
werden.
Dabei muss in Schule ein Transfer von der reinen Wissensvermittlung zur Vermittlung von Kompetenzen stattfinden. Diese sind zum einen notwendig zum Erlernen des Unterrichtsstoffes im Rahmen der Inklusion, zum anderen sind diese Methoden ein wichtiger Bestandteil zukünftiger beruflicher Entwicklung. Dabei spielen sowohl methodische als auch soziale Kompetenzen eine entscheidende Rolle, denn sie sind zugleich Schlüsselqualifikation persönlicher und beruflicher Entwicklung.
Im Rahmen der Umstellung auf
Inklusion sind die Medienkonzepte der Schule zu überarbeiten. Der Einsatz
vorhandener Medien ist kritisch zu überprüfen und neue Medien müssen für den
Lernprozess verstärkt herangezogen werden. Dies ist auch mit Blick auf die
zukünftige persönliche und berufliche Entwicklung des Schülers von
außerordentlicher Bedeutung. Diese fort- und neuentwickelten Medienkonzepte
müssen auf die zu erwartenden individuellen Bedürfnisse der Schüler abgestimmt
sein.
Solche Konzepte setzen voraus, dass die Fachkräfte qualifiziert sind oder qualifiziert werden, um die Medien im Sinne einer individuell positiven Lernentwicklung der Schüler einzusetzen. Darüber hinaus müssen sie in der Lage sein die Schüler im selbstständigen Gebrauch der Medien innerhalb des schülerzentrierten Lernprozesses anzuleiten. Ein kontinuierliches und verpflichtendes Fort- und Ausbildungsprogramm ist dafür unerlässlich. Dass ein Überdenken der gesamten „Lehrerausbildung“ im Zuge der Einführung der Inklusion sich zwangsläufig ergibt, sei hier nur der vollständigkeitshalber angemerkt.
Nicht außeracht zu lassen ist hierbei auch, dass Schulgebäude, Schulgelände, sowie Unterrichtsmittel Barriere frei gestaltet sein müssen.
Auch gilt es bereits vor Beginn der
Umsetzung der Inklusion möglicherweise vorhandener Vorbehalte, Sorgen und Nöte
bei Schülerschaft, Elternschaft und Lehrern auszuräumen. Sie vom
offensichtlichen Mehrwert der inkludierten Pädagogik zu überzeugen und so eine
wichtige Grundlage für den Einführungsprozess und ein erfolgreiches Gelingen
der inkludierten Pädagogik zu schaffen, ist daher unabdingbar. Diese
Aufklärungsarbeit sowie eine maximale Transparenz im Verfahren sind aus Sicht
der BSK zwingend erforderlich!
Es gilt die Fehler des bisherigen
Unterrichtskonzepts nicht zu wiederholen sondern sicherzustellen, dass ein
Schwerpunkt auf dem individuellen Fördern und Fordern eines jeden Schülers
liegt. Damit muss vermieden werden, dass schwächere, stärkere und begabtere
Schüler im Lernprozess verloren gehen. Das Augenmerk muss die individuelle
Förderung eines jeden Schülers in seiner jeweiligen individuellen Situation
sein.
Der BSK ist es nicht nur wichtig, einen Mehrwert für Schüler zu schaffen, sondern es muss trotz der sich dadurch veränderten Situation der Lehrer daraufhin gewiesen werden, dass dies eine Bereicherung ihres berufliches Alltags darstellen kann. Durch diese Veränderung entsteht ein abwechslungsreicherer und für den Lehrer persönlich bereichernder Arbeitsalltag. Dies könnte als Nebeneffekt die Attraktivität des Lehrerberufs steigern.
Mit dem hier von der BSK vorgestellten Konzept der inkludierten Pädagogik wird zugleich eine Antwort auf die Kritikpunkte, die im Rahmen der PISA-Studie aufgekommen sind, gegeben. Dazu sei der Wegfall des Frontalunterrichts als Beispiel genannt, welcher einen Mangel an individueller Förderung zur Konsequenz hat. Dieser würde durch das Konzept der Inklusion entfallen. Auch würde die vielerorts geforderte individuelle Förderung von Schülern endlich Realität werden. Jeder Schüler hat somit die Möglichkeit den seinen individuellen Fähigkeiten entsprechenden Abschluss zu erlangen.
Damit fordern wir mit Nachdruck eine zeitnahe Umsetzung des Beschlusses der KMK zur Inklusion unter Berücksichtigung der hier von der BSK angeführten Aspekte.
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