Vor dem Hintergrund der deutschen EU-Ratspräsidentschaft befasst sich auch die Bundesschülerkonferenz Deutschland mit den Herausforderungen und Problemen eines gemeinsamen Europas. Die BSK, als ständige Konferenz der Landesschülervertretungen Deutschlands, bedauert es, dass sich immer weniger Jugendliche mit Europa identifizieren können. Insbesondere die Europäischen Institutionen werden immer öfter nicht als repräsentative Gremien, sondern als Organisationen angesehen, die durch Sanktionen und penible Verordnungen die Bevölkerung unnötig belasten.
Unter diesem
Aspekt halten wir es für notwendig, dass das Thema Europa einen verstärkten
Stellenwert in den Schulen erhält. Die deutsche Ratspräsidentschaft bietet
hierfür den idealen Rahmen, um Schülerinnen und Schüler über die Arbeits- und
Funktionsweise der europäischen Einrichtungen und deren Organe zu informieren.
Die Bundesschülerkonferenz begrüßt es daher sehr, dass am 22. Januar 2007 an zahlreichen Schulen ein eigener Schultag als Informations- und Aktionstag für Europa genutzt wird. Aus Sicht der BSK sind es gerade Veranstaltungen und Aktionen wie diese, die den Schülerinnen und Schülern praxisbezogen Europa näher bringen können.
Ferner würde
es die BSK begrüßen, wenn das Thema Europa auch in den Lehrplänen und
Rahmencurricula eine größere Bedeutung erhielte.
Schon seit Jahren gibt es für Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, durch Schüleraustauschprogramme zwei oder mehrere Wochen im Ausland zu verbringen. Das Angebot der zu besuchenden Länder hat sich immer weiter ausgeweitet und begrenzt sich nicht mehr nur auf Großbritannien und Frankreich. Die Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler während diesen Aufenthalten sammeln können, sind äußerst wertvoll und beschränken sich nicht nur auf die Erweiterung des Sprachgebrauchs. Gerade das intensive und persönliche Kennen lernen anderer Kulturen und der Kontakt zu Bürgern anderer Nationen trägt dazu bei, dass Vorurteile abgebaut werden können und aus einer Eigenbrötlerei in Europa schrittweise ein Miteinander werden kann.
Die äußerst positiven Erfahrungen, die Schülerinnen und Schüler während solchen Auslandsaufenthalten erfahren können, sollten nun aus Sicht der Bundesschülerkonferenz auch auf die Lehrkräfte ausgeweitet werden. Die BSK meint hiermit jedoch nicht den Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern als Begleitpersonen, sondern ein eigenständiges Austauschprogramm nur für Lehrerinnen und Lehrer. Lehrkräfte, die an einem solchem Austausch teilnehmen würden, erhielten so nicht nur einen detaillierten und praxisbezogenen Einblick in das Schulsystem, die pädagogische Arbeitsweise und die Maßnahmen im Bereich des Qualitätsmanagements eines anderen Landes, sondern könnten auch im Gastland themenspezifisch für Unterrichtseinheiten eingesetzt werden.
Ein kontinuierlicher Austausch zwischen den Schulen könnte so zu einer Qualitätsverbesserung an den Schulen beitragen und darüber hinaus auch zu einem besseren Verständnis anderer Schulsysteme führen. Auch vor dem Hintergrund des ansteigenden bilingualen Unterrichts würde der Einsatz von ausländischen Lehrkräften zu einer Bereicherung und Optimierung des Unterrichts beitragen und auch für Schulcurricula und Leitbilder neue Möglichkeiten an den einzelnen Schulen eröffnen.
Die zunehmende Internationalisierung und der länderübergreifende Austausch im Bildungs-, insbesondere im Hochschulbereich, werden von der BSK nachhaltig begrüßt. Besonders vor dem Hintergrund des sich immer schneller verändernden Arbeitsmarktes ist es heutzutage unabdingbar, dass auch das Schulsystem der Internationalisierung stand hält und den neuen Anforderungen gerecht wird.
Ein Grundstein hierfür bildet die gegenseitige Anerkennung gleichwertiger Abschlüsse. Nur so kann garantiert werden, dass das Wissen und die Kompetenz ausländischer Personen gegenüber jenem von inländischen Bürgern nicht minder geschätzt wird. Auch vor dem Hintergrund des Bologna-Prozesses im Hochschulbereich müssen nun auch im schulischen Bereich europaweite Standards ausgearbeitet und gleichwertige Abschlüsse angestrebt werden.
Aus Sicht der Bundesschülerkonferenz Deutschland kann gerade mit neuen Europaprojekten und Austauschprogrammen, Treffen von Schülervertretern der EU-Länder und dem gegenseitigen Dialog und der intensiven Diskussion das derzeitige Europa bzw. die derzeitige Europäische Union weiterentwickelt werden. Das Ziel ist es, in einem Europa zu leben, in dem wir Mauern abreißen, anstatt sie zu errichten; ein Europa, in dem wir aufeinander zugehen, anstatt uns zu entfernen; ein Europa, in dem wir gemeinsam an einem Strang ziehen.
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